Die Geschichte über

                                                    

Kartografische Lagebeschreibung:

ca. 50 km nördlich von Hamburg, 40 km südlich von Kiel, 30 km westlich von Lübeck (Städtedreieck Hamburg, Kiel, Lübeck)

 

Größe der Stadt: ca. 1.572 ha

 

Aktuelle Einwohnerzahl (31.10.2004): 9.427

 

Wahlstedt, im Städtedreieck Hamburg – Kiel – Lübeck, am Rande des Segeberger Forstes gelegen, bezeichnet sich selbst gern als "Industriestadt im Grünen". Wer einmal Gelegenheit hatte, Wahlstedt aus der Vogelperspektive zu sehen, wird dem voll beipflichten: Der Segeberger Forst, Wiesen und Weiden, begrenzt von den für Holstein typischen Knicks und aufgelockert durch kleine Gehölze, bestimmen das Bild des Umlandes. Die Stadt selbst legt großen Wert darauf, Grünanlagen und Baumbestand innerhalb der Wohnanlagen nicht nur zu erhalten, sondern zu erweitern.

Nicht richtig wäre, Wahlstedt als "reine Industriestadt" zu bezeichnen. Tatsache ist zwar, dass die ortsansässigen Großbetriebe vielen der rund 10.000 Einwohner Arbeit geben, doch von der Industrie und dem Gewerbe ist kaum etwas zu spüren, da alle Wohngebiete räumlich deutlich von den Industrie- und Gewerbebetrieben getrennt sind und dadurch keine Belästigungen auftreten.

Im Gegenteil: Der Wohnwert Wahlstedts ist weit höher als der vergleichbarer Städte, da Wälder und Felder die natürliche Umgebung bilden. Darum läßt es sich hier gut wohnen und arbeiten. Zwei Gründe, die neben anderen den stürmischen Aufschwung des alten Geestbauerndorfes seit Kriegsende erklären. Doch wird die Gegenwart nicht ohne Rückblick auf die Geschichte Wahlstedts verständlich.

Vor- und frühgeschichtliche Funde, darunter Schlackenhügel und Eisenschlackenfunde, lassen auf eine sehr frühe Besiedelung schließen.

Der Name Wahlstedt deutet auf die Gründung des Dorfes bereits im 5. – 7. Jahrhundert hin. Urkundlich wird Wahlstedt zum ersten Male 1150 erwähnt. Vicelin, Bischof von Oldenburg, bestätigt der Kirche von Segeberg die Zehntenverteilung Kaiser Lothars III. und Herzog Heinrichs für das Chorherrenstift der Augustiner. In dieser Urkunde werden als Besitzungen 10 Dörfer genannt, u. a. "Wahlstede". Ob Wahlstedt tatsächlich bereits Eigentum des in dieser Zeit nach Högersdorf verlegten Stiftes gewesen war, ist umstritten. Wahlstedt wird nachweislich dem Stift erst 1192 durch Kaiser Heinrich VI. geschenkt. Die Erwähnung Wahlstedts in Vicelins Urkunde wird so erklärt, dass man in Segeberg schon vor 1192 Anspruch auf dieses Dorf erhob.

Jahrhunderte hindurch nimmt Wahlstedt eine dörfliche Entwicklung. Seit 1444 sind die Familien zu benennen, die 12 Hufe Wahlstedts bewirtschafteten

Das Dorf ist betroffen durch die Wirren und Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges, wird zerstört und wieder aufgebaut, leidet an der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts aufgrund der Kriege Napoleons unter Einquartierung und Besatzungskosten dänischer, deutscher, schwedischer und russischer Truppen. Die ruhige dörfliche Entwicklung Wahlstedts wurde in den Jahren 1936/37 in ungewöhnlicher Form abgeschlossen. Damals wurde zur Entlastung des Marinearsenals Wilhelmshaven im Bereich des Segeberger Forstes das Marineartilleriearsenal Fahrenkrug-Wahlstedt errichtet. Hauptaufgabe dieser Einrichtung war die Herstellung von Munition. Das Arsenal beschäftigte Ende des Krieges in seinen Werken 1.700 Personen. Nach dem 2. Weltkrieg bemühte man sich mit Erfolg, das unsinnige Vernichten von ehemaligen militärischen Einrichtungen durch die Siegermächte zu verhindern. Die Gebäude des ehemaligen Marine-Artilleriearsenals bildeten den Grundstock für die Entwicklung der Wahlstedter Industrie. Die arbeitslosen Menschen des Arsenals und die zahlreichen Flüchtlinge fanden hier einen Arbeitsplatz, ihre Wohnung und eine neue Heimat. Das Wahlstedter Industriegebiet umfaßt heute 76 ha mit einem eigenen Industriestammgleis und künftig auch einer Güterverteilungszentrale. In den zahlreichen Industrie-, Gewerbe- und Handwerksbetrieben sind rund 3.700 Personen beschäftigt, davon etwa 2.300 im produzierenden Gewerbe. Ein zusätzliches Industrie- und Gewerbegebiet im Nordosten Wahlstedts von 44 ha, das vom Zweckverband Mittelzentrum Bad Segeberg-Wahlstedt angeboten wird, schafft die Grundlage für die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze für das Mittelzentrum.

 

 

Eine sorgfältige Grünplanung und die gezielte Abgrenzung zu den Wohngebieten schützt die Umwelt. Ein Blockheizkraftwerk erhöht die umweltfreundlichen Lebensbedingungen. Verkehrsgünstige Anbindungen an die Bundesautobahn A21 und die Bundesstraßen 205, 206 und 404 machen Wahlstedt zu dem interessanten Industriestandort im Binnenland Schleswig-Holsteins.

Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945 gehörte die Gemeinde Wahlstedt dem Amt Segeberg-Land mit dem Amtssitz in Bad Segeberg an. Wahlstedt hatte durch die Ansiedlung der Industrie und den überaus starken Zuwachs an Einwohnern kommunalpolitische Aufgaben zu erfüllen, deren Wahrnehmung Initiative, schöpferische Tätigkeit und schnelles Handeln erforderte. Um den Aufgaben besser gerecht werden zu können, beantragte die Gemeinde im März 1953 die Ausgliederung aus dem Amtsverband Segeberg-Land. Die offizielle Ausgliederung Wahlstedts aus dem Amtsverband erfolgte mit Wirkung vom 1. Juli 1954. Die Gemeindeverwaltung Wahlstedts wurde bis Ende 1955 von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geleitet. Aufgrund der anfallenden umfangreichen und verantwortungsvollen Arbeiten entschloß sich die damalige Gemeindevertretung zur Einstellung eines hauptamtlichen Bürgermeisters. Am 13. Dezember 1966 verlieh die schleswig-holsteinische Landesregierung der Gemeinde Wahlstedt "inzwischen auf 6.940 Einwohner angewachsen" mit Wirkung vom 1. Januar 1967 das Stadtrecht. Anhand der Einwohnerzahlen läßt sich die Entwicklung Wahlstedts gut ablesen. Während das Dorf 1939 nur 756 Einwohner zählte, waren es 1946 bereits 1.662 und 1956 schon 3.244 Einwohner. Wir stellen nach dem 2. Weltkrieg alle 10 Jahre eine Verdoppelung der Einwohnerzahl fest. Bis 1996 stieg sie auf rd. 10.100. Diese rasante Entwicklung brachte der Stadt natürlich erhebliche infrastrukurelle Probleme. Nachdem die Bevölkerungsentwicklung heute wieder in normalen Bahnen verläuft, kann wohl gesagt werden, dass der größte Teil dieser Probleme sehr gut gemeistert worden ist.

Noch vor wenigen Jahren …

… war Wahlstedt eine unfertige Stadt. Es fehlte bis dahin die Mitte, der Treffpunkt. Der moderne städtebauliche Mittelpunkt war eine schwierige, aber dringend notwendige Aufgabe der Stadt in den letzten Jahren. Die Stadtkernsanierung konnte 1983 zum Abschluss gebracht werden, und seitdem ist Wahlstedt auch in städtebaulicher Hinsicht eine echte Kleinstadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten ohne Parkplatzsorgen.

Zu den liebenswerten Eigenschaften der Stadt zählen wir das vielseitige gesellschaftliche Leben der zahlreichen Vereine und Verbände. Jeder findet sehr schnell Kontakt zu seinen Mitmenschen. Vielfältige Angebote, wie Freibad, Schwimmhalle, Sporthallen, Reitanlagen, Theater, Galerie, Bücherei, Artothek, Kinderkunstschule, Grundschule, Hauptschule, Realschule, Förderschule, Kindergärten, Behindertenwerkstatt und Behindertenwohnungen, Alten- und Pflegeheim, Altenwohnungen, Sozialstation, Bürgerbegegnungsstätte, Jugendheim, Tennisplatz, Tennishalle versuchen für jeden etwas zu bieten.

Touristisches Ambiente findet man allerdings in Wahlstedt nicht vor. Die Vorzüge liegen darin, dass die Stadt trotz des Wachstums ihre kleinstädtische Beschaulichkeit behalten hat und als Wohn-, Industrie- und Gewerbestandort attraktiv ist.

Die Stadt Wahlstedt wird sich auch weiterhin darum bemühen, ausgewogene Lebensbedingungen zu schaffen – durch moderne Wohnungen, zeitgerechte Arbeitsplätze, gute Einkaufsmöglichkeiten und entsprechende Einrichtungen, die der Bildung, der Erholung und Freizeitgestaltung dienen. Hierzu gehört selbstverständlich auch eine am technischen Fortschritt orientierte umweltfreundliche Ver- und Entsorgung der Stadt.

 

Das Wappen Wahlstedts

… Von Silber und Rot schräglinks geteilt, darauf in vertauschten Farben ein schrägrechts gestellter, bewurzelter Eichenstumpf mit vier Zweigen; genehmigt: 19. Mai 1956; Entwurf: W. H. Lippert, Brunsbüttel.

Die Teilung des Schildes im Wappen von Wahlstedt nimmt Bezug auf das Nebeneinander der Dörfer Klein- und Großwahlstedt im Mittelalter. Bereits Mitte des 12. Jh. urkundlich erwähnt, ist Kleinwahlstedt um 1444 niedergelegt worden. Das Gebiet beider Dörfer bestand als Wahlstedt fort.

Der Eichenstamm als einzige Wappenfigur weist auf die Ursprünge des Ortes als Rodungssiedlung in der relativ frühen Zeit der -stedt-Orte (etwa 400 n. Chr.) hin und gibt mit seinen zwölf Wurzeln die Anzahl der ursprünglichen Hufen wieder.

Die vier Zweige sollen auf vier durch Kriege bedingte Notzeiten des Ortes (Wendenkämpfe, 30-jähriger Krieg, Napoleonischer Krieg, Zweiter Weltkrieg) und auf die vier Erwerbsquellen der Einwohner in der Vergangenheit (Ackerbau, Viehzucht, Jagd, Fischerei) hindeuten.

Die Gebäude des 1936 in der unmittelbaren Nachbarschaft Wahlstedts erbauten Marinearsenals Fahrenkrug wurden 1948 der Industrieansiedlung zur Verfügung gestellt. Die Siedlung wurde 1952 in Wahlstedt eingemeindet. Das hatte zur Folge, dass viele Heimatvertriebene Neu-Wahlstedter wurden. Die damit verbundene Vergrößerung der Einwohnerzahl führte 1967 zur Stadterhebung.

Die Farben des ansprechend in verwechselten Farben fingierten Wappens sind die Farben des Landesteils Holstein.